Brief einer Psychologin

 

 

Auszüge aus einem Brief einer Einrichtungspsychologin:

 

Liebe Nina de Vries,

 

soeben komme ich aus einem Gespräch mit einer gesetzlichen Betreuerin einiger unserer Heimbewohner. Inhalt unserer Zusammenkunft waren die Möglichkeiten und Schwierigkeiten eines jungen Mannes, seine Sexualität im Heim zu leben. Ich möchte, dass Sie wissen, wie froh ich während des Gespräches war, dass wir beide uns im März dieses Jahres persönlich kennen lernen konnten und seitdem so gut zusammenarbeiten.

 

Als ich das erste Mal von Ihnen hörte und mich über Ihre Tätigkeit informierte, war ich schon zwei Jahrzehnte als Psychologin in Heimeinrichtungen mit dem Thema Sexualität und geistige Behinderung beschäftigt. Seit 1980 betreute ich zunächst erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung, seit 1997 nun Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Immer ging es bei meiner Arbeit mit dem Thema um die Weiterbildung und Sensibilisierung der Mitarbeiter/innen in erster Linie, und die Beratung, Konfliktlösung und Kenntnisvermittlung für und mit den behinderten Menschen, ob in der Einzelsituation oder in Gruppenangeboten.

 

So weit so gut aber !!!!! Die Grenze an die wir alle miteinander immer wieder stießen: Wie leiten wir Menschen an, die auf Grund ihrer Behinderung weder verbale Erklärungen noch Bildmaterial oder Filme verstehen? Was sind die Arbeitsmittel und Methoden für Menschen die über Nachahmung und Handführung lernen??

 

Klar war für mich immer, dass sexuelle Bedürfnisse auch bei Menschen mit geistiger Behinderung von den Mitarbeiter/innen als menschliches Bedürfnis, wie alle anderen im Alltag zu erfüllenden, wie Essen, Trinken, Schlafen usw., individuelle Berücksichtigung und Erfüllung finden sollten. In den vielen Jahren sind die Mitarbeiter/innen offener geworden und auch Einrichtungsleitungen haben umgedacht. Aber vom "Handanlegen„ durch Wohngruppenmitarbeiter/innen ist natürlich aus unterschiedlichsten Gründen abzuraten.

 

Deshalb ist Ihre Arbeit als Sexualbegleiterin mit ihrem Wissen und ihrer Sensibilität für einige unserer Bewohner/innen genau das richtige Angebot.

 

Was unsere Zusammenarbeit so äußerst angenehm macht, ist das Vertrauen darauf, dass Sie uns in der Einschätzung der Bedürfnisse der betreffenden Personen zur Seite stehen und verlässliche Angebote unterbreiten. Wir haben nicht das Gefühl, dass Ihnen das Geschäft im Vordergrund steht. Wir konnten uns davon überzeugen, dass unsere Motive, die dem Hilfeangebot zu Grunde liegen sich von Ihren nicht unterscheiden. Deshalb waren die beiden Informationsveranstaltungen für Mitarbeiter/innen unseres Heimes und den Fachabteilungsleiter des Trägers im März und Juni dieses Jahres ein gelungener Start Ihrer individuellen Hilfen für bisher zwei junge Männer unseres Hauses.

 

Also danke, liebe Nina de Vries, im Namen der beiden jungen Männer und der Mitarbeiter/innen, die als sehr günstige Nebenerscheinung, jetzt weniger Verhaltensprobleme mit den beiden ausfechten müssen.

 

Mit herzlichen Grüßen

 

Ihre Christine Wittig (Stephanusstiftung Berlin)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Copyright 2013 Nina de Vries